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Börsenbrief-Techniken(6) - Optionsauswertungen - das grosse Geld

In der Finanzwelt ist es meist üblich, Prognosen entweder mittels Charttechnik oder fundamentaler Daten zu erstellen. Es handelt sich dabei meist um eine “Wenn..., dann..”-Analyse, bei der ein Zuschauer oder Leser meist erst im Nachhinein weiss, welche der dieser Bedingungen erfüllt wurde.
Was jedoch überhaupt nicht in die Analyse mit einfliesst, sind die Bewegungen des grossen Geldes am Optionsmarkt.
Dazu muss erstmals erklärt werden, was am Optionsmarkt vor sich geht.

Hintergrund
Wer mit Optionen handelt, hat die Möglichkeit entweder als Käufer oder als Verkäufer aufzutreten. Während die Verlustmöglichkeit für Optionsverkäufer theoretisch unbegrenzt ist, beläuft sich das Risiko des Optionskäufers nur auf den bezahlten Preis für die Option.
In Fachbüchern und Einführungen liest man immer wieder, daß die Chancen für Optionskäufer, am Ende mit einem satten Gewinn aus einem eingegangenen Trade herauszukommen, minimal sind - wegen des täglichen Zeitwertes, den die Option bei Verkürzung der Laufzeit, ständig verliert.
Es wird ebenso oft geschrieben, daß meist 75% der Calls und Puts wertlos verfallen.
Dies läßt darauf schließen, daß die Chancen für Optionskäufer sich auf höchsten 25% belaufen, während der Stillhalter, der die Option an den Optionskäufer veräußert und ihm scheinbar die Chance auf unbegrenzte Gewinne gibt, eine theoretische Gewinnchance von 75% aufweist.
Beim Bewerten des Risikos  beider Handelsteilnehmer dreht sich das Ganze um. Mit einem Höchstertrag des eingenommenen Optionspreises weiß der Stillhalter genau, wie hoch sein Gewinn bei Verfall der Option ist. Das Risiko wiederum ist bei einem Gegenlaufen der Position unbegrenzt.
Für den Käufer verhält es sich umgekehrt. Die Chance auf Gewinne sind unbegrenzt, während die Verlustmöglichkeit nur auf die eingesetzte Options-Prämie beschränkt ist. Die nachfolgenden Untersuchungen wurden über mehrere Jahre gemacht. In der wöchentlichen Analyse ist dies ein mittlerweile sehr treffsicherer Ratgeber.

Definition des „grossen Geldes“
Bevor es losgeht, muss erst mal erklärt werden, was man unter dem Oberbegriff des „grossen Geldes“ versteht, denn gerade deren Verhalten, die Rückschlüsse, die man daraus zieht, soll dieser Beitrag näher untersuchen. An der Terminbörse steht jedem Käufer einer Option ein Verkäufer gegenüber. Beide handeln gegensätzlich.
Der Unterschied zwischen beiden ist das Kapital, das dahinter steht. Der Options-Käufer hat wenig Kapital, der Verkäufer der Option, Stillhalter genannt, da Grossbank, Fond oder Hedge-Fond, ein Vielfaches davon. Der eine (Käufer) will Kursschwankung vor oder bis zum Verfalltag. Dem anderen (Verkäufer) ist es egal, wie sich der Markt bewegt, bis auf den letzten entscheidenden Tag – dem Verfalltag der Option.
Der Käufer ist im Zugzwang. Er muss seine Position wegen des Zeitwertverlusts bis zum Verfalltag verkaufen. Der Stillhalter kann abwarten, sich zurücklehnen, eventuell weitere Optionen verkaufen („Schreiben“ in der Fachsprache). Er verdient hauptsächlich am Zeitwertverlust.
Eine Option, die drei Monate vor Verfall verkauft wurde, verliert in den folgenden zwei Monaten mehr als die Hälfte des eingenommenen Preises, wenn das zu Grunde liegende Instrument (z.B. ein Aktienindex) unverändert bleibt.
Was des einen Freud ist des anderen Leid. Man sagt, das Risiko des Käufers ist begrenzt auf den Preis der Option, den er bezahlt. Demgegenüber steht der Verkäufer der Option, der ein mehrfaches seiner Sicherheitsleistung an Verlust haben kann, wenn es schlecht läuft. Wenn der Stillhalter allerdings mit seiner Prognose richtig gelegen hat, muss er für die wenigsten Optionen etwas zurückgeben.

Seine Strategie beruht darauf, dass er je nach Bewegungen des Index weitere Optionen schreibt, Puts genauso wie Calls. Am Verfalltag werden dann einige Serien wertlos, andere enden im Geld. Unterm Strich bleibt immer etwas übrig.
Nun mag der informierte Optionstrader anmerken, dass heutzutage keiner mehr Optionen nackt schreibt, sondern meist Strategien durch die Kombination verschiedener Basispreise benutzt werden.
Fakt ist jedoch, dass auf jeden Fall einer immer die Option leer schreiben muss, denn auch für die in der Kombination gekaufte Absicherungsoption muss es notgedrungen einen Stillhalter geben.
Alles zusammen spiegelt sich in den Optionsdaten wieder.

Widerstand und Unterstützung
Diese Optionsdaten sind sehr wichtige Linien, die - notgedrungen - vom grossen Geld verteidigt werden. Dazu nehmen wir ein Beispiel der Woche 31 vom 31. Juli 2006.
Die nachfolgenden Charts wurden in der sonntäglichen Analyseausgabe verschickt und in den Tagesausgaben ergänzt. Sie zeigen, wie im ZA Daten der Optionsmärkte zur Prognose einsetzt.
Am Sonntag wurden folgende Charts zu DAX- und S&P-500-Index verschickt.

DAX-Charttechnik vom 31.07.06

S&P 500-Charttechnik vom 31.07.06

Sieht man obige Charts, hatte kein Analyst Probleme damit, auf einen Ausbruch zu setzen. Es lohnte sich also, Kursziele zu definieren.
Im Dax ergab sich bei Ausbruch ein Kursziel bis 5850, Im S&P 500 1286, während charttechnisch Platz bis in den Bereich 1292-1295 gewesen wäre. DAX-Chart und S&P 500 zur Begutachtung.
In den nachfolgenden Tagen ergab sich eine Seitwärtstendenz bis Freitag morgen - an dem ausgehend vom amerikanischen Index erneut der Tag des Ausbruchs kam.
Während der DAX-Index, der um 17.45 Uhr schliesst, den Anstieg an der Wallstreet nicht mehr im Chart zeigte, sah der DAX-Future auch nach markantem Anstieg aus.
Nachfolgend deshalb der S&P 500 und der stellvertretend für den Index der DAX-Future, der die späte Bewegung aus Amerika bereits teilweise nachvollzogen hat. Beide wurden am Freitag in der Tagesausgabe so verschickt.

S&P 500-Charttechnik vom 04.08.06

DAX-Future-Charttechnik vom 04.08.06

Optionsdaten kommen ins Spiel
Während an diesem Tag beide Charts bereit waren für grösseren Anstiege bis zu den Kurszielen. Wir erinnern uns: 5850 für den DAX-Index, der Bereich 1292-1295 für den S&P 500 - haben die Optionsdaten teilweise etwas anderes behauptet.

Options-Open-Interest S&P-Future

 

Links  das Open-Interest der S&P-Future-Optionen am Tag der Chartanalyse.
Die roten Bereiche sind starke Widerstandszonen, die grünen Bereiche Unterstützungen.
Die Optionsdaten liessen im US-Future Platz bis 1295/1300, entsprechend 1292/95 im Cash-S&P-Index, der Anfang der rot markierten Zone.

Während die links unten zu sehenden Optionsdaten des DAX-Index bereits bei 5700 einen markanten Widerstand auswiesen.
Hohe Call-Bestände hemmen einen Anstieg, so die Untersuchungen des ZA.
Es gehört sehr viel Käuferkraft dazu, solche Widerstände zu überschreiten, da solche Linien vom grossen Geld verteidigt werden.
Erst wenn das nicht gelingt, sichert man ab und treibt den Index dann noch höher.
Options-Open-Interest DAX-Index

 

Während also der S&P frei war bis zum errechneten Kursziel 1295/95 - auch von den Optionen,  konnte man im DAX mit einem Angriff rechnen, ein Durchbruch stand zwar im Raum, war aber auf Grund der Optiondaten rechts fraglich.

Nachfolgend die Kursentwicklung der beiden Indizes bis zum 13. August - eine Woche später. Zuerst der S&P 500, bei dem es ab einem Punktestand von 1295-1300 zu Grabenkämpfen kommen sollte, wenn Stillhalter ihre geschriebenen Calls, die vielleicht ins Geld laufen, verteidigen.
Der Dax dagegen, der normalerweise mittags, wenn die Wallstreet so eine grosse Ausbruchsbewegung wie im S&P 500 verzeichnet, durch die Decke geht, konnte “nur” bis an die obere Range laufen - der oben angesprochenen Optionszone mit dem höchsten Call-Open-Interest.

S&P 500 Entwicklung nach Ausbruchsversuch

DAX-Verlauf nach Ausbruchsversuch

Auf dieser Seite haben Sie erfahren wie sich Optionsdaten auf Preise auswirken und wie der ZA sie in die tägliche Analyse einfliessen lässt.
Die schwierige Zeit der Prognose bricht jedoch immer dann an, wenn die Verfallwoche der Optionen beginnt. Dies wird meist in einer Sonderauswertung in der dritten Woche erarbeitet.
 

Bei Interessen an einem Bezug dieses Analysenbriefs, erfragen Sie bitte untere Preise über die Seite “Bestellung”.

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Zuletzt geändert am 
Sonntag, 9. März 2008

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